Presseinfos 2016

HINTERGRÜNDE UND INFORMATIONEN

Approximation Festival 2016

DI 22. - SA 26. November 2016

Programmübersicht:

Di 22.11.2016 John Tilbury - Fred Kelemen, PREVIEW "Sarajevo Songs of woe"
19:00 Uhr, Filmwerkstatt Düsseldorf
Einlass ab 18:30UHR

Mi 23.11.2016 Cory Smythe - Francesco Tristano & Tamar Halperin: tête-à-tête
21:00 Uhr, Salon des Amateurs

Do 24.11.2016 Marina Baranova - Daniel Wohl
21:00 Uhr, Salon des Amateurs

Fr 27.11.2015 Antonio d Luca & The Mu Quintet - Matthew Bourne - Super Flu + Rahel
20:30 Uhr, Salon des Amateurs

Sa 28.11.2015 Dorian Wood - patten
21:00 Uhr, Salon des Amateurs

Einlass im Salon Des Amateurs jeweils eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn. Am Freitag jedoch nur eine halbe Stunde vorher.


Tickets / VVK:

A&O Medien
In den Shadowarkaden, 1. Etage
Schadowstraße 11
40212 Düsseldorf
Tel. 0211 8606049

Cafe knülle
Oberbilker Allee 24
40215 Düsseldorf
Tel. 0211 318443

Cafe Rekord
Ackerstraße 204
40235 Düsseldorf
Tel. 0211 54473090

Salon Des Amateurs
Grabbeplatz 4
40213 Düsseldorf
Tel. 0211 1712830


Veranstaltungsorte:

Filmwerkstatt Düsseldorf
Birkenstr. 47 (Hof)
40233 Düsseldorf
www.filmwerkstatt-duesseldorf.de

Salon des Amateurs
in der Kunsthalle Düsseldorf
Grabbeplatz 4
40213 Düsseldorf
www.salondesamateurs.de


Das Approximation Festival 2016 dankt seinen Kooperationspartnern, Freunden und Förderern:

Kulturamt der Landeshauptstadt Düsseldorf, Kunst- und Kulturstiftung Sparkasse Düsseldorf, CCS digital_fabric, RKW Rhode Kellermann Wawrowsky Architektur+Städtebau, Natsu foods, Institut für Musik und Medien, Kunsthochschule für Medien Köln, DGT Der Gute Ton. Veranstaltungstechnik Neuss, C. Bechstein Centrum Düsseldorf, Robert Schumann Hochschule für Musik Düsseldorf, C. Bechstein Centrum Düsseldorf, Salon Des Amateurs, Filmwerkstatt Düsseldorf, BEEF. Design- und Kommunikationsagentur, Carhartt, K. WEST, ByteFM, Meliá Düsseldorf, Townhouse Düsseldorf, Hotel Ufer, The Dorf, Approximation Festival e.V.

Pressekontakt:
Thomas W. Rieger
thomas.rieger@approximation-festival.de

T: 0177 356 1826

 
A&O Medien
Cafe Rekord
Salon des Amateurs
ONLINE SHOP

Künstlerfotos

BILDER ZU ALLEN KÜNSTLERN

Hier können Sie Fotos von allen Künstlern als .zip Datei herunterladen.

Bitte bei Veröffentlichungen immer die Photocredits angeben, soweit vorhanden.

 
Asasselo Quartett
John Tilbury
Fred Kelemen Film Still
Cory Smythe
Tamar Halperin
Francesco Tristano
Marina Baranova
Daniel Wohl
Antonio d Luca
Matthew Bourne
Dorian Wood
patten
Super Flu + Rahel
Approximation Flyer 2016
Approximation Plakat 2016

Ein Dutzend Gelegenheiten

APPROXIMATION FESTIVAL 2016

„Guten Tag meine Damen und Herren, es freut mich sehr wieder in Düsseldorf zu sein“ mit diesen, sehr sanft und zugleich pointiert gesprochenen Worten begann John Tilbury im Jahr 2005 seinen Vortrag an dem Institut für Musik und Medien der Robert Schumann Hochschule. Das Approximation Festival wurde in diesem Jahr ins Leben gerufen und ein Jahr später kehrte Tilbury nach Düsseldorf zurück, für ein Konzert der zweiten Ausgabe des Festivals. In diesem Jahr wird er Konzert und Vortrag auf besondere Weise verbinden. Eine Reise ins Herz des Approximation Festivals. Volker Bertelmann, der fast wie im privaten Gespräch die Künstler vorstellt und Besonderheiten der Instrumente oder Spieltechniken erklärt, ist sicher für so manchen Besucher ein spontanes Erinnerungsbild der Approximation Festival-Konzerte. Dabei ist es eine Kombination aus Nähe und Erstaunen, die das Publikum auch für völlig unbekannte Musiker zu begeistern vermag. Ein Miteinander. "Kommunikation" könnte gar als Leitmotiv dieser 12. Ausgabe des Festivals stehen. Musikalisch mit neuen Projekten, wie dem von Tamar Halperin & Francesco Tristano oder Antonio de Luca & The Mu Quintet, aber nicht zuletzt auch als Kommunikation zwischen den Klängen. Mitunter scheint die Klassik des Barock bei dieser Ausgabe des Festivals der Ausgangspunkt für Explorationen in neue Sounds, Experimente und Improvisationen. Doch nicht weniger - man denke allein an die Songs von Dorian Wood - fungiert eine offene Spielweise der Popmusik als Basis der musikalischen Entdeckungen, für welche der Name Approximation steht.

Text: Oliver Tepel

John Tilbury

UK

DI 22. NOVEMBER 2016

Filmwerkstatt Düsseldorf

Programm:
I. Samuel Beckett "Stirrings Still"for voice and piano
II. Morton Feldman "Palais de Mari“ for piano
III. Samuel Beckett: „Tailpiece", "Brief Dream“ and "Go where never before“

Viele Wegmarken in John Tilburys musikalischer Entwicklung setzte der 1936 geborene britische Pianist gemeinsam mit Cornelius Cardew. Dieser brachte ihn Anfang 1960 in Kontakt mit der Musik von Morton Feldman. Während der 70er forcierten beide eine marxistische geprägte Politisierung der Avantgarde, welche sie im heute legendären Scratch Orchestra manifestierten. Mit seiner Interpretation der Werke von John Cage, Morton Feldman, Terry Riley oder Christian Wolff, um nur einige zu nennen, schuf er Standards. Zugleich fokussierte er seine Arbeit als Improvisationsmusiker, als er 1980 dem Ensemble AMM beitrat, in seinen klanglichen Allegorien auf das Action Painting. Seit 1965 eine der radikalsten Manifestationen der freien Musik. Das Spontane und Ungewohnte, das Experimentieren mit neuen Klangquellen und die Befragung der Musik auf ihre internen Dynamiken sowie ihrer Wechselwirkung mit dem Publikum markieren Eckpunkte in Tilburys musikalischem Tun. Doch oftmals ist es vor allem der konzentrier-te Blick nach Innen, die tiefe Verbindung zur Musik, was seine Aufführungen auszeichnet. Zu seinem zweiten Gastspiel beim Approximation Festival verknüpft Tilbury diese Ideen einer inwendigen Perspektive in ihrer vielleicht solitärsten Form im Werke Samuel Becketts und in den Kompositionen Morton Feldmans. Das Konzert ist Teil des „John Tilbury Tribute“ des Institut Fuer Musik Und Medien.

Im Anschluss gibt es einen Artist Talk mit John Tilbury und Fred Kelemen.


Text: Oliver Tepel

Roedelius & Christopher Chaplin

DE/GB

MI 25. NOVEMBER 2015

Salon des Amateurs

Als Christopher Chaplin vor fünf Jahren Roedelius kennenlerne, traf er auf eine Legende. Der 1934 geborene Roedelius schrieb sich mit experimentellem Impetus und enormem musikalischen Vermögen in die Geschichte der elektronischen Musik ein. Er war da, als große Oszillatoren brummten, lehrte in den Formationen Kluster, Cluster und Harmonia nicht nur Brian Eno eine neue Musik, sondern hatte die Konzepte von atonaler Avantgarde bis Synthesizer-Popsong längst dekliniert, bevor sie ab den späten 70ern die gesamte Popmusik grundlegend veränderten. Doch Christopher Chaplin ist den Umgang mit Legenden gewohnt. Sein Vater galt schon als solche, bevor Hans Joachim Roedelius sein erstes Wort sprach. Vielleicht prägt deswegen eine besondere Leichtigkeit die Zusammenarbeit des Synthesizer-Pioniers mit dem jüngsten Sohn Charlie Chaplins. Christopher Chaplin ist studierter Pianist, aber sein Hauptinteresse gilt der Komposition. In ihrer lyrischen, ja erzählerischen Qualität erinnern seine Werke an die Filmmusiken, die der Vater für seine eigenen Filme komponierte, bahnen sich aber gleichwohl einen Weg in die Avantgarde. Das Duo spannt subtile Bögen zwischen rein synthetischen Klängen und solchen, die an ein Kammerorchester erinnern. Auf einmal erklingt eine Computer-Stimme oder ein Piano wird von metallenen Libellen umschwirrt. Die auf der gemeinsamen Album-Veröffentlichung sehr geschlossenen Stücke entwickeln live eine schwelgerische, experimentelle Dynamik.


Text: Oliver Tepel

Fred Kelemen

D

DI 22. NOVEMBER 2016

Filmwerkstatt Düsseldorf

PREVIEW: SARAJEVO SONGS OF WOE (I. Blue Ballad for Lovers / II. Blue Psalm for Wolves /III. Blue Rondo for Survivors) (140 min. - black & white / colour - Bosnia and Herzegovina / Germany 2016)

Der in Berlin aufgewachsene Kameramann, Drehbuchautor, Dozent, sowie Film- und Theaterregisseur arbeitet seit den 90ern an vielen Orten Europas. Einst von Susan Sontag explizit gewürdigt und mit dem deutschen Filmpreis ausgezeichnet, wurde er in den vergangenen Jahren zu einer der bedeutsamsten Figuren des europäischen Kunstfilms. Vergleichbar mit John Tilburys Arbeit, sucht er nach der Essenz der Figuren seiner Filme, zeigt eher Menschen als Schauspieler. Es geht darum, Neues zu sehen, nicht längst eingeübte Perspektiven, um letztlich im Leben etwas bewegen zu können. Will man dies erreichen, müssen bekannte Formen des Kinos überschritten werden. Kelemens Film "Sarajevo Songs of Woe“ schildert das Miteinander im in sich richtungslos driftenden Sarajevo. So gibt der Film die Form vor, als Triptychon beginnt er mit „Blue Ballad for Lovers“, der Geschichte eines Paares: Sie schwer in ihrer Mobilität eingeschränkt, er zwischen der innigen Nähe und dem Drang nach Unabhängigkeit. Nach und nach entfaltet Kelemen das Bild einer Stadt und der verletzten Leben in ihr.


Text: Oliver Tepel

Cory Smythe

US

MI 23. NOVEMBER 2016

Salon des Amateurs


Ein Mann am Piano inmitten des Tosens der aktuellsten Musik. Zwischen Anthony Braxton, dem Meister einer experimentellen Musik von radikaler Improvisation bis hin zu operationaler Komposition und Hillary Hahn, dem einstigen Wunderkind der klassischen Violine, das sich nicht damit begnügen wollte, lediglich das übliche Repertoire zu pflegen. Zusammen mit Hahn gewann er für das Album „In 27 Pieces: The Hilary Hahn Encores“ einen Grammy als beste kammermusikalische Einspielung. Cory Smythe machte erstmals von sich hören als Mitglied des International Contemporary Ensembles (ICE), welches seit 2001 neue Kompositionen der aktuellen Avantgarde zu Gehör bringt, darunter Werke von John Zorn, Alvin Lucier, Pauline Oliveros oder, als Solo Piano Werk für Smythe, Iannis Xenakis’ „Palimpsest“. Mit der gelegentlichen Unterstützung durch den Saxofonisten Steve Lehman spielte Smythe sein kürzlich erschienenes Debüt-Album „A U T O TROPHS“ ein. Seine Kompositionen für Piano und Electronics vereinen dabei jene Welten, die er mit Hahn und dem ICE bereits durchwanderte. Er lässt Schubert auf Elliott Sharp treffen, kreist um die Geschichte in rasanten Improvisationen, um im nächsten Moment die Saiten des Pianos gleich Roboterstimmen erzählen zu lassen, oder mit den Fingern über eine Komposition der Jazz Legende Fats Waller zu tanzen.


Text: Oliver Tepel

Tamar Halperin & Francesco Tristano: tête-à-tête

D/LUX

MI 23. NOVEMBER 2016

Salon des Amateurs

Ein Aufeinandertreffen der Zeitreisenden, ähnlich der Begegnung von Hillary Hahn und Cory Smythe: Tamar Halperin promovierte nicht nur über J. S. Bach, sie gilt auch als eine der besten Barock-Cembalistinnen unserer Zeit. Als würde dies allein nicht ein Leben ausfüllen, experimentiert sie mit den Werken Eric Saties, gewinnt zwei „Jazz ECHO“ Auszeichnungen und schreckt auch nicht vor Klängen analoger oder digitaler Elektronik zurück. Genau an jener Stelle trifft sie Francesco Tristano. Nachdem er zu Beginn seiner Karriere Bachs „Goldberg Variationen“ und Berios komplettes Piano-Werk einspielte, fand er sich bald am DJ Pult wieder, elektronische Musik zelebrierend. „Die klassische Musik ist tot“, sagte er in Interviews und meint die ewigen Wiederholungen desselben Repertoires. Wiederbelebungen bedeuten für ihn die Konzentration auf nicht komplett kanonisierte Werke, wie etwa die von Dietrich Buxtehude, oder die Arbeit an einer neuen Musik, in welcher der Rhythmus eine Brücke vom Barock ins Heute schlägt. So kreisen Tamar Halperin und Francesco Tristano um denselben Doppelstern. Doch wie dies klingen wird, bleibt bis zu ihrem Konzert ein Geheimnis.


Text: Oliver Tepel

Marina Baranova

UKR/ D

DO 24. NOVEMBER 2016

Salon des Amateurs

Hypersuites nennt Marina Baranova ihre Variationen barocker Kompositionen. Die Tochter zweier Musiker zwischen Klassik und Jazz gewann seit ihrer Kindheit zig internationale Klavierwettbewerbe. Ihre lebendigen Schumann-Einspielungen ernteten Applaus. Sie trat mit Giora Feidman auf und wirkte als Gastsolistin im Studio, um sich dann, zur Überraschung vieler, ihren eigenen Kompositionen zu widmen. Firebird verband schillerndes Gleiten mit perkussiven Klängen zu einer mitunter berauschenden Intensität. Auf den ersten Blick erscheint der Bezug auf Fremdmaterial in den Hypersuites in ihrer musikalischen Entwicklung als Schritt zurück, bis man bemerkt, welcher Natur Baranovas Interpretationen sind. Bachs Prelude in B Minor wird transponiert und nach innen gewendet; plötzlich klingt sie auf seltsame Weise zwei Jahrhunderte jünger. Ein Zwischenraum, wie aus einer Zauberwelt entsteht in diesen mit eigenen kompositorischen Eingriffen und improvisierten Teilen erweiterten Interpretationen. In Zusammenarbeit mit Hauschka entstanden zudem einige Remixe, welche mit dem Klang des präparierten Pianos die rhythmischen, wie schlafwandlerischen Akzente ihrer Rekompositionen nochmals akzentuieren. Barock-Futurismus.


Text: Oliver Tepel

Daniel Wohl & Asasello Quartett

F/USA

DO 24. NOVEMBER 2016

Salon des Amateurs

Ganz sicher ein Schwerpunkt des Approximation Festivals ist, das Miteinander von Piano und Elektronik zu Gehör zu bringen. Kaum jemand hat in den letzten Jahren diesen, nicht von Genres überfrachteten und stets neue Sounds und Spielweisen generierenden Bereich so geprägt wie der in Paris geborene Daniel Wohl. Seine fundierte Ausbildung erwarb er am Bard College, der University of Michigan und der Yale School of Music, spielte mit So Percussion, dem Calder Quartet und diversen Symphonieorchestern, zugleich auch mit Vordenkern aktueller Popmusik wie Julia Holter oder Olga Bell. Die akustische, zugleich zum Teil elektronisch manipulierte Ensemblemusik seines Albums „Holographic“ präsentierte eine dichte, gleichwohl transparente Dramatik. Avantgardistische Romantik als dreidimensionale Illusion. Drones und vibrierende Flächen durchziehen suchend den Raum, einzelne Akkorde versprechen Halt, sind aber nur Ausgangspunkt neuer Permutationen bis man ein transparentes Gamelan Orchester vor sich wähnt. Begeleitet wird er auf seinen Wegen vom  Asasello Quartett, bekannt für seine Schönberg Interpretationen. 2000 in der Kammermusik-Klasse von Walter Levin in Basel gegründet, verliess das junge Ensemble bald den rein akademischen Rahmen zugunsten anspruchsvoller experimenteller Projekte, sowohl mit jungen Komponisten, als auch eingebunden in Performance-Kunst, Film oder Tanz. Die 1:1 Konzertreihe des in Köln beheimateten Quartetts ist längst überregional bekannt und mit dem Preis der Deutschen Konzertdirektionen ausgezeichnet.‎ Ihr Repertoire von Wiener Klassik bis zu neuester Komposition macht sie zu kongenialen Partnern für Daniel Wohl. Es gibt jeden Grund, gespannt zu sein.


Text: Oliver Tepel

Antonio d Luca & The Mu Quintet

I/D

FR 25. NOVEMBER 2016

Salon des Amateurs

Die Hülle seines Albums Musik wozu erinnert ein wenig an die Cover der Düsseldorfer Legende Neu! und tatsächlich atmet seine Musik eine ähnliche Energie, die niederreißen will, um in neuen Farben und Formen aufzubauen; haltbar zumindest für einen wilden Tanz. Der gebürtige Neapolitaner hat mit seinem Bandprojekt Colorist den futuristischen Space Rock eines unbefriedeten Universums geschaffen. Nur, dass in diesem Universum offenbar barocke Cembalo Kompositionen, und nicht der Blues, als die Basis aller Sounds fungieren. Wolfsgleich umkreist de Luca die Genres, als wäre er wütend darüber, dass es sie gibt. Dann sticht er ins Zentrum der Klangmassen oder bündelt, was ihm an disparatem Material gerade unterkommt - so scheint es. Tatsächlich gibt es da aber auch ein fragiles, ja zartes Zentrum. Cello und Violine, Tenor- und Alt-Saxofon begleiten d Luca am Flügel, der Ukulele oder am modularen Synthesizer. Diese Reise, so verrät diese Besetzung, kann in viele Richtungen gehen.


Text: Oliver Tepel

Matthew Bourne

UK

FR 25. NOVEMBER 2016

Salon des Amateurs

Die Bourne-Identität, verzeihen Sie bitte den naheliegenden Kalauer, ist meist eine elektronische. Eine analog-elektronische, um es genau zu sagen. Matthew Bournes aktuelles Album „Memorymoog“ basiert auf den rauschenden Strömen des titelgebenden Synthesizers aus den frühen 80ern. Damals das Ende der Ära Moog markierend, entlockt Bourne dem modifiziertem Gerät weit mehr als reine Retro-Klänge. Flamboyant wechseln die Impressionen von alten Videospielen zu Blumengärten, man hört die Tasten klackern, bis eine grollende Fläche dunkle Wolken aufziehen lässt. Für sein Düsseldorfer Gastspiel erscheint Bourne jedoch in einem völlig anderem Cameo, fast scheint es wie eine Reise in seine Vergangenheit. Als Solo-Pianist gewann er mit Anfang 20 den Perrier Jazz Award, spätere Projekte brachten ihn mit John Zorn, Annette Peacock, Nils Frahm, Nostalgia 77 und Amon Tobin zusammen. Bournes Spiel löst sich bald von den Begrenzungen des Tastenfelds. Was in schwebenden Girlanden beginnt, steigert sich über ein perkussives Klopfen zum singenden, ja kreischenden Kratzen. Bourne agiert direkt an den Saiten des Pianos, dann wieder enorm expressiv an den Tasten. Man spürt, wie der große Flügel vibriert. Ein Konzert ganz im Stil der ursprünglichen Idee des Approximation Festivals. Eine seltene Freiheit für Bourne - auch wenn, denkt er an Düsseldorf, zwei Herzen in seiner Brust schlagen dürften, spielte er doch vor nicht allzu langer Zeit anlässlich des 40. Jubiläums von Kraftwerks „Radioaktivität“ das Album Stück für Stück neu ein.


Text: Oliver Tepel

Super Flu + Rahel

D

FR 25. NOVEMBER 2016

Salon des Amateurs


"Dir fehlen die Ideen? Hör auf Deinen Papagei!" - dies rät uns das Duo Feliks Thielemann & Mathias Schwarz. Als Super Flu schaffen sie so verspielte wie effektive House Tracks, zwischen Techno und Deep, ja mitunter auch nah am Song. Ob bei den Beiden die Ideen sprudeln oder dem Papagei gelauscht wird, Fakt ist der Ideenreichtum in ihrer Musik. Dieser trägt sie in so unerwartete Räume wie das Dortmunder Opernhaus. Für Xin Peng Wangs Ballett „Faust I“ kreierten sie Musik - natürlich tanzbar. Aber vielleicht lässt sich auch über die gerade Bassdrum hinweg musizieren? So erscheinen sie auf dem Approximation Festivals in Begleitung Rahels. Rahel Hutter studierte das Klavierspiel an der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar. Doch ihre Interessen führen sie diesseits des Akademischen zu Musik und Tanz, Musik und Kunst, dem Jazz-Piano oder auch dem fliessende Post-Rock ihrer Band The Cloche. So verbindet die drei Künstler nicht alleine ihre Herkunft aus Städten an der Saale, sondern ein aufgewecktes, humorvolles Forschen über alle Genregrenzen hinweg. Wo Super Flu nicht nur zum Papagei, raten, sondern auch: "Bastel was aus exotischen Instrumenten und Kinderspielzeug!" fordern, scheinen dem musikalischen Abenteuer kaum Grenzen gesetzt.


Text: Oliver Tepel

Dorian Wood

US

SA 26. NOVEMBER 2016

Salon des Amateurs

Kunstinstitutionen engagieren ihn, nicht alleine aufgrund seiner Zusammenarbeit mit Marina Abramovic vor fünf Jahren, sondern weil sein melancholisch stimmungsvoller Gesang innere Bilder malt. Auch ohne seine physische Präsenz ist Dorian Woods Musik enorm körperhaft und doch zugleich ohne Schwere. Milton Nascimento, Nick Cave, Scott Walker oder Edith Piaf klingen in ihm an, wobei er keiner dieser Assoziationen die Zeit lässt, sich niederzulassen. Bald schon fliegt sie davon und wir sind allein mit diesem außerordentlichem Musiker, dessen Pianospiel seiner Gesangsstimme in nichts nachsteht. Tatsächlich fragt man sich, wer hier wen in Szene setzt, der Mund die Hände oder die Hände den Mund. Um sich solch verwunderten Fragen zu widmen, lassen sich Woods Songs oft genug die Zeit. Zeit zu erzählen und für den Hörer Zeit, dem Rätsel in ihnen nachzuspüren. Wie ein Orson Welles der Musik sitzt er dann vor dem hängenden Mikrofon, das erst in der Distanz alle Facetten dieser Stimme einfangen kann. Das Publikum lauscht still und staunend.


Text: Oliver Tepel

patten

UK

SA 26. NOVEMBER 2016

Salon des Amateurs

Ihre Namen tun nichts zur Sache. Das Duo patten existiert als klingende Einheit. Zwei Menschen, Maschinen, aber was zählt ist der Sound. OK, ganz so einfach ist es nicht, denn zwischen steilflankig kristallin aufragenden Sounds entwickeln die Beiden subtil Songstrukturen. Wir hören weiblichen Gesang, im Raum verhallt, eine kühle, neugotische Vision. Schlierenhafte Befremdlichkeiten umhüllen für Momente die scharfkantige Romantik der Songs. Die minimalen Arrangements vermeiden die üblichen Retro Fallen. So setzen patten uns ihrem enormen Futurismus aus. „Kannst Du mit uns, Mensch der Zukunft oder müssen wir Dich zurücklassen?“, fragen die Sounds, während wir ganz verblüfft staunen, über all die verführerischen Hindernisse, welche sie uns scheppernd, rasselnd vor die Füße werfen. A und D (nur soviel geben sie von sich preis) addieren noch Grime und Foodwork eben jenen halluzinogen klackernden Beats unserer Tage, welche ihren Werken immer wieder einmal den Weg auf die Tanzfläche bahnen. So mag zum Finale des Approximation Festivals 2016 auch der Stuhl verlassen und der Körper bewegt werden.


Text: Oliver Tepel